„Wir wollten einen Ort schaffen, der Kommunikation und Offenheit atmet“

Transparent, offen, modern mit der richtigen Infrastruktur für Medienmacher. Architekt Peter Deluse spricht im Interview über einen Ort, „der Kommunikation und Offenheit atmet“. Deluse gilt als einer der profiliertesten und meistbeschäftigen Architekten der Hauptstadt.

Herr Deluse, was ist das eigentlich für ein Gefühl, wenn man monatelang mit viel Herzblut etwas schafft, das man dann von heute auf morgen anderen Menschen übergeben muss. Fällt schwer, oder?

Deluse: Jetzt werde ich Ihnen etwas sagen, was Sie vielleicht gar nicht erwarten. Wenn so ein Haus fertig ist, dann verdrücken wir uns meistens ganz bewusst für zwei, drei Monate. Der Grund ist einfach: Die Menschen, die da einziehen, müssen sich eingewöhnen, und falls sie mit etwas nicht zufrieden sein sollten, kriegt erst mal der Architekt die Prügel. Wenn sich alle eingelebt haben, beginnen sie auch, die Dinge zu würdigen.

Und was genau sollten sie Ihrer Meinung nach würdigen? Welche Idee liegt Ihrem Entwurf zugrunde?

Deluse: Wir mussten uns zunächst einmal intensiv auseinandersetzen mit einer schwierigen Situation. Wir haben ja ein Grundstück, das von vorne nach hinten schmaler wird, mit Brandwänden an zwei Seiten. Wir mussten versuchen, dieses Manko auszugleichen. So entstanden große Verglasungen und sehr großzügige Innenräume. Wir  wollten darüber hinaus ein modernes, sehr reduziertes Gebäude bauen, das für die innere Nutzung komplett flexibel und variabel sein kann.

Wenn das Feratti-Haus ein Mensch wäre, wie würden Sie diesen Menschen beschreiben?

Deluse:  Distinguiert, reduziert, dem Understatement verpflichtet

Das empfinden wir auch so. Das Haus hat nicht das Kathedralenhafte manch anderer Unternehmen. Was hatten Sie sich vorgestellt, wer hier mal einzieht?

Deluse:  Ich formuliere es mal negativ. Ich hatte die ganze Zeit befürchtet, dass in die fünf Etagen unterschiedliche Nutzer einziehen könnten, darunter vielleicht  eine Rechtsanwaltskanzlei, die als erstes die vielen Scheiben zuklebt, damit man nicht reingucken kann. Das wäre genau das Gegenteil von dem gewesen, was wir wollten, nämlich einen Ort zu schaffen, der Kommunikation und Offenheit atmet, an dem man aus dem Fahrstuhl eigentlich überall reinschauen kann. Ob Sie es glauben oder nicht – ein Architekturbüro oder eine Redaktion waren da immer in unserer Vorstellung. Also Leute, die offene Kommunikationsformen schätzen. Das fängt schon bei der akustisch sehr schönen Eingangshalle an.

Akustisch sehr schön?

Deluse: Ja, weil es dort überall diese riesigen Stoff-Paneele gibt. Und das führt eben nicht dazu, dass sie so einen halligen Eingangsbereich haben, sondern dass sie sich dort unterhalten können, ohne dass man es oben im fünften Stock hört. Kommunikation ist auf der einen Seite gut, auf der anderen Seite muss man sich auch mal zurückziehen und konzentrieren können. Das war im Übrigen auch unsere Idee bei den  Besprechungsräumen und den kleinen Telefonboxen.

Stichwort Materialien. Was haben Sie verwendet und warum?

Deluse:  Wir haben erst einmal ganz simpel überlegt, dass wir dem Haus gerne eine Travertin-Fassade geben würden. Travertin ist ein Naturstein aus Italien, der, wie ich finde, eine sehr schöne, warme Erscheinung hat. Und dann haben wir dieses Material in den kompletten Innenausbau reingezogen. Also in den Fußbodenbelag der Eingangshalle und die großen hinterleuchteten Glaspaneele. Die haben ja auch so eine Travertin-Folie drauf, so dass es eben aussieht, als ob es hinterleuchteter Naturstein wäre. Diese  Idee, mit wenigen Materialien zu arbeiten und die überall durchzuziehen, die haben wir eigentlich bei dem Haus sehr schön realisieren können. Das gelingt nicht so häufig.

Welche Bedeutungen hat der Standort direkt an der ehemaligen Mauer gehabt? Hat das in den Überlegungen eine Rolle gespielt?

Deluse:  Nein, gar nicht.

Und die direkte Nachbarschaft zur großen Geldmaschine hier, zur Bundesdruckerei?

Deluse: Das ist eher ein Nachteil, weil die Sicherheitsbedürfnisse groß sind, wobei Sie das hier ja gar nicht merken. Nur oben auf dem Dach sieht man den Nato-Draht und die Kameras. Ansonsten hat man damit Gott sei Dank relativ wenig zu tun, weil ja auch die gesicherten Ausfahrten für die Geldtransporter ein Stück weit weg sind.

Sie sind als junger Mann auch mal zwei Jahre zur See gefahren sind. Haben Sie vielleicht eine Seefahrerweisheit parat für das, was wir hier vorhaben?

Deluse:  Eine Weisheit nicht, eher eine Erfahrung. Ich habe auf See vieles gelernt. Ich bin in Zehlendorf groß geworden, sehr bürgerlich, ich bin auf ein altsprachiges Gymnasium gegangen, und wollte nach dem Abitur einfach nur raus. Als ich dann zur See fuhr, habe ich Menschen kennengelernt, die ganz anders, aber sehr beeindruckend und charakterstark waren. Das war für mich eine unglaublich prägende Erfahrung, mal so den sozialen Horizont, in dem man sich normalerweise bewegt, zu verlassen. Das hat auch für mein ganzes Leben unfassbare Auswirkungen gehabt. Solche tollen Erfahrungen zu machen, kann ich nur jedem wünschen.